Rehabilitationswissenschaften mit dem Förderschwerpunkt Lernen

MEDIAL

Mehrsprachiges dialogisches Lesen (MEDIAL)

Verbundprojekt der Technischen Universität Dortmund und der Bergischen Universität Wuppertal
Eine der wichtigsten familiären sprachlichen Unterstützungsmaßnahmen ist das Vorlesen. Eine evidenzbasierte Methode zur Förderung der Sprache und weiterer Vorläuferfähigkeiten des Lesenlernens ist das Dialogische Lesen. Dabei werden während einer strukturierten Vorlese- und Interaktionssituation Dialoge mit den Kindern geführt, in denen konsequent Sprachförderstrategien und Modellierungstechniken angewendet werden. Mehrsprachige Bezugspersonen können qualitativ hochwertigen und kognitiv stimulierenden Sprachinput am ehesten in der Sprache geben, die sie selber am besten beherrschen. Unklar ist jedoch, ob sich häusliche Literacy-Aktivitäten wie DL nur positiv auf die Kompetenzen in der Sprache auswirken, in der sie durchgeführt werden, oder ob bzw. unter welchen Bedingungen sprachübergreifende Transfereffekte auftreten.
Um die Voraussetzungen für das Lesenlernen von mehrsprachigen Kindern zielgerichteter zu för-dern, wird eine von unseren Verbunpartnern der Technischen Universität Dortmund bestehende und bereits positiv evaluierte Professionalisierungsmaßnahme für pädagogische Fachkräfte im Dialogischen Lesen um ein Training für mehrsprachige Bezugspersonen zum Dialogischen Lesen zuhause ergänzt, gemeinsam mit der Praxis optimiert und ihre Wirksamkeit evaluiert. Analoge und digitale Materialien in verschiedenen Sprachversionen ermöglichen das DL in allen Sprachen eines Kindes. Zur Wirksamkeitsprüfung führen wir ein großes Clustered Randomized Controlled Trial (CRCT) durch, in dem wir Kinder und ihre Bezugspersonen für ca. 1,5 Jahre vom Beginn des letzten Kita-Jahres bis zum Ende des ersten Grundschulhalbjahres (Prä-, Post- und Follow-Up) begleiten. Bei den Kindern überprüfen wir die Entwicklung der Vorläuferfähigkeiten (z. B. Wortschatz, Grammatik, Phonologische Bewusstheit in Deutsch und ausgewählten nichtdeutschen Sprachen), die basalen Leserfertigkeiten am Ende des ersten Grundschuljahres und ihrer duale Identifikation mit zwei Sprachen und Kulturen. Bei den Bezugspersonen untersuchen wir ebenfalls die duale Identifikation und die Entwicklung ihrer Literacy-Aktivitäten. Die Ergebnisse zur Wirksamkeit der kombinierten Professionalisierungsmaßnahme von pädagogischen Fachkräften und Bezugspersonen im mehrsprachigen Dialogischen Lesen könnten dazu beitragen, der mehrsprachigen Lebenswelt von Kindern und ihren Bezugspersonen besser Rechnung zu tragen und die Wertschätzung sprachlicher und kulturelle Diversität in unserer Gesellschaft zu steigern.

Projektleitungen / Antragstellung (Universität Wuppertal)
Prof. Dr. Michael Grosche
Dr. Birgit Ehl

Externe Projektleitung / Antragstellung:
Anna-Lena Scherger (Technische Universität Dortmund)

Laufzeit:
06/2026 – 05/2029

Drittmittelgeber:
Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMBFSFJ)